Behandlung

Die optimale Behandlung richtet sich nach dem individuellen Fall und insbesondere nach dem Stadium der Krebserkrankung. Es spielen jedoch auch andere Faktoren eine Rolle.

Fachärzte berücksichtigen verschiedene Faktoren, um eine personalisierte Behandlung für den Patienten zusammenzustellen. Die Behandlung kann kurativ sein und auf die vollständige Heilung der Krebserkrankung abzielen. In fortgeschrittenen Fällen wird jedoch oft eine palliative Therapie angewendet, um die Symptome zu lindern und das Überleben des Patienten zu verlängern. Ein individueller Therapieplan kann eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten umfassen.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören unter anderem:

  • Aktive Überwachung: Bei der aktiven Überwachung werden regelmäßige Untersuchungen durchgeführt, um das Verhalten des Tumors zu beobachten. Wenn der Tumor kein weiteres Wachstum zeigt, wird keine Behandlung eingeleitet. Der Patient muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, wie z.B. ein minimales Wachstum, Begrenzung des Tumors innerhalb der Prostata und geringe Aggressivität des Tumors. Neben regelmäßigen digital-rektalen Untersuchungen (DRU) wird auch der PSA-Wert überprüft, um festzustellen, ob sich der Tumor verändert hat. Zusätzlich können MRT (Magnetresonanztomografie) und Biopsien eingesetzt werden, um kleinste Veränderungen in der Prostata zu beobachten. Durch die strenge Überwachung kann der Arzt ein Fortschreiten des Prostatakrebs frühzeitig erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.
  • Operation: Wenn der Tumor auf die Prostata beschränkt ist und sich nicht im Körper ausgebreitet hat, kann er operativ entfernt werden, um den Patienten vollständig zu heilen. Bei der radikalen Prostatektomie wird in der Regel die gesamte Prostata entfernt. Es gibt verschiedene Methoden für den operativen Eingriff, wie die retropubische radikale Prostatektomie, die perineale radikale Prostatektomie und die minimal invasive laparoskopische Prostatektomie.
  • Strahlentherapie: Bei der Strahlentherapie wird der Tumor mit ionisierenden Röntgenstrahlen behandelt, um ihn zu zerstören. Die Bestrahlung zielt darauf ab, die Krebszellen so stark zu schädigen, dass sie sich nicht mehr teilen können und all

Die verschiedenen Faktoren berücksichtigen die Fachärzte und stellen eine personalisierte Behandlung für den Patienten zusammen. Die Behandlung ist eine kurative Therapie, welche auf die vollständige Heilung der Krebserkrankung abzielt. Aber selbst bei fortgeschrittenen Krankheitsverläufen wird eine palliative Therapie angewendet um die Beschwerden zu lindern und ein längeres Überleben des Patienten zu ermöglichen. Ein individueller Therapieplan kann ein breites Spektrum von Behandlungsmöglichkeiten abdecken. Dazu gehören zum Beispiel:

UNTERSUCHUNGEN

– Kontrolliertes Zuwarten

Wenn der Tumor diagnostiziert wurde, aber kein oder nur geringes Wachstum aufweist und keine Beschwerden verursacht, sind regelmäßige Untersuchungen durch einen Arzt ausreichend. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf einem kontrollierten Abwarten. Es wird erst eingegriffen, sobald Beschwerden auftreten. Diese Methode wird angewendet, wenn andere Therapiearten aufgrund von Vorerkrankungen oder hohem Alter nicht möglich sind. Durch diese Methode können mögliche Risiken anderer Therapieformen vermieden werden.

– Aktive Überwachung

In kurzen Abständen werden regelmäßige Untersuchungen durchgeführt, um das Verhalten des Tumors zu beobachten. Wenn er kein weiteres Wachstum zeigt, wird keine Behandlung eingeleitet. Um dies festzustellen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, wie beispielsweise ein minimales Wachstum, eine Begrenzung des Karzinoms innerhalb der Prostata und eine geringe Aggressivität des Tumors. Neben regelmäßigen digital-rektalen Untersuchungen (DRU) wird auch der PSA-Wert überprüft, um festzustellen, ob sich der Tumor verändert hat. Zusätzlich werden Magnetresonanztomografie (MRT) und Biopsien angewendet, um kleinste Veränderungen in der Prostata zu beobachten. Durch diese strenge Überwachung kann der Arzt ein Fortschreiten des Prostatakrebs frühzeitig erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

OPERATION

Solange sich der Tumor auf die Prostata beschränkt und sich nicht im Körper ausgebreitet hat, besteht die Möglichkeit, den Tumor operativ zu entfernen und den Patienten vollständig zu heilen. Dabei wird in der Regel die gesamte Prostata entfernt. Die Operation wird als radikale Prostatektomie oder totale Prostatektomie bezeichnet. Der Eingriff kann auf drei verschiedene Arten durchgeführt werden:

  • Retropubische radikale Prostatektomie: Der Zugang erfolgt über einen Unterbauchschnitt zwischen Schambein und Bauchnabel. Dabei wird die Prostata entfernt.
  • Perineale radikale Prostatektomie: Der Zugang erfolgt durch einen Schnitt zwischen After und Hodensack. Auch hier wird die Prostata entfernt.
  • Minimal-invasive laparoskopische Prostatektomie: Bei dieser Methode werden mehrere kleine Schnitte im Bauchraum gemacht. Durch einen dieser Schnitte wird eine Kamera eingeführt, während die Prostata durch die anderen Schnitte entfernt wird.

retropubische radikale Prostatektomie

Unterbauchschnitt zwischen Schambein und Bauchnabel

pernieale radikale Prostatektomie

Dammschnitt

minimal invasive laparoskopische Prostatektomie

Bauchspiegelung in Form der Schlüssellochtechnik

STRAHLENTHERAPIE

Bei der Strahlentherapie wird der Tumor mit ionisierenden Röntgenstrahlen behandelt, um ihn zu zerstören. Das Ziel besteht darin, die Krebszellen so stark zu schädigen, dass sie sich nicht mehr teilen und allmählich absterben. Bei der Behandlung von Prostatakrebs gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Externe Strahlentherapie: Bei dieser Methode wird die Strahlung von außen auf den Körper gerichtet und zielt gezielt auf die Prostata ab. Dabei wird die Strahlendosis auf mehrere Sitzungen verteilt.
  • Brachytherapie: Bei der Brachytherapie wird eine Strahlungsquelle direkt in die Prostata eingebracht. Dadurch kann die Strahlendosis präzise an den Tumor abgegeben werden.
  • Kombinationstherapie: In einigen Fällen kann eine Kombination aus externer Strahlentherapie und Brachytherapie angewendet werden, um die Wirksamkeit der Behandlung zu erhöhen.

äußere Bestrahlung

auch als „perkutante“ oder „externe“ Strahlentherapie bekannt, wird der Tumor von außen über die Haut bestrahlt. Dabei werden mit einem Linearbeschleuniger Röntgenstrahlen genau auf den Tumor gerichtet. Man versucht bei dem Vorgang gesundes Gewebe zu schonen.

innere Bestrahlung

auch als „Brachytherapie“ bekannt, wird die Strahlenquelle, also die radioaktiven Stoffe, direkt in den Tumor eingesetzt. Innere Bestrahlung wird meistens angewendet, wenn der Tumor noch begrenzt auf die Prostata ist. Die Voraussetzung ist also, dass sich noch keine Metastasen gebildet haben.

Man unterteilt innere Bestrahlung in zwei Arten:

– LDR: Low Dose Rate Brachytherapie

kleine Hohlnadeln werden über den Damm in die Prostata eingebracht und verteilen dort radioaktive Metallteilchen. Sie geben ihre Strahlung über eine kleine Distanz für längere Zeit ab und sind daher als niedrige Dosis klassifiziert.

– HDR: High Dose Rate Brachytherapie

kleine Hohlnadeln werden ebenfalls über den Damm in die Prostata eingebracht und verteilen dort während der Behandlung Strahlung. Die Dosis der Strahlung ist jedoch deutlich höher als bei der LDR und bleibt daher nur kurz im Körper.

SYMTOMATISCHE THERAPIE

Zusätzlich zu den oben genannten Behandlungen kann eine symptomatische Therapie eingesetzt werden, um die mit Prostatakrebs verbundenen Beschwerden zu lindern. Dazu gehören Schmerztherapie, hormonelle Therapie, Chemotherapie und immuntherapeutische Ansätze. Diese Maßnahmen können dazu beitragen, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

NACHDEM DER TUMOR METASTASEN GEBILDET HAT…

MEDIKAMENTE

Medikamente werden in der Prostatakrebsbehandlung zu mehreren Zwecken verwendet. Einerseits gibt es Medikamente, die unangenehme Beschwerden der Folgeerkrankungen von Prostatakrebs lindern. Auch Schmerzmittel werden genutzt um Schmerzen in Knochen, Rücken und Unterleib zu lindern. Zur aktiven Behandlung von Prostatakrebs werden jedoch Medikamente eingesetzt, die zu Hormontherapie zählen, wie z.B. GnRH-Analoga, GnRH-Antagonisten, Antiandrogene oder Medikamente mit dem Wirkstoff Abirateron. Medikamente werden auch zur Chemotherapie eingesetzt, wie z.B. Zytostatika.

HORMONTHERAPIE

In vielen Fällen wächst ein Prostatakarzinom hormonabhängig. Das heißt, dass das Wachstum des Tumors von der Zufuhr des männlichen Sexualhormons Testosteron abhängig ist und das Wachstum durch eine Unterbindung des Hormons unterbrochen werden kann. Wenn die Krebszellen schon außerhalb der Prostata vorhanden sind, z.B. Metastasen in Knochen, Organen oder Lymphknoten, zielt die Hormontherapie darauf ab, das Wachstum zu stoppen oder zu verlangsamen, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern. Hormontherapien werden vor allem als Ergänzung zu anderen Therapieformen angewendet, um die Chance auf Heilung zu erhöhen. Die Hormontherapie ist in verschiedene Arten zu unterteilen.

operativer Hormonentzug

Bei einer chirurgische Kastration werden die Hoden operativ entfernt um die Produktion von Testosteron zu unterbinden. Dies senkt den Testosteronspiegel und verlangsamt das Wachstum des Tumors.

chemischer Hormonentzug

Bei einem chemischen Hormonentzug werden Medikamente angewendet, um die Hormonproduktion einzuschränken und den Testosteronspiegel zu senken. Dafür werden verschiedene Medikamente benutzt.

GNRH-Analoga:

GnRH ist ein Hormon, welches LH und FSH produziert und die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) anregt. LH ist ein luteinisierendes Hormon und FSH ist ein follikelstimulierendes Hormon. Diese beiden Hormone sorgen für Testosteron und Spermienproduktion in den Hoden. Bei Zufuhr von GnRH-Analoga wirkt es im Körper wie natürliches GnRH und steigert zuerst den Testosteronspiegel. Jedoch wird die Hypophyse bei langfristiger Anwendung unempfindlich gegenüber GnRH und setzt somit weniger LH und FSH frei. Dies führt dazu,dass der Testosteronspiegel sinkt.

GnRH-Antagonisten

GnRH-Antagonisten sind Stoffe, welche die Gefahr von natürlichen GnRH einschränken, indem sie das Testosteron unwirksam machen. Sie blockieren die Rezeptoren zur Aufnahme von GnRH an der Hypophyse und unterbindet die Ausschüttung von LH und FSH. Der Testosteronspiegel sinkt dadurch sehr schnell.

beide Medikamente werden durch eine Depotspritze verabreicht

Antiandrogene

Androgene sind männliche Geschlechtshormone, wozu hauptsächlich Testosteron zählt. Antiandrogene sind Stoffe, die den Effekt von Geschlechtshormonen aufheben. Dies geschieht, da Antiandrogene die Rezeptoren zur Aufnahme von Testosteron an den Krebszellen direkt blockieren. Dadurch sinkt der Testosteronspiegel und die  Wachstumsförderung wird gestoppt. 

– Abirateron

Dieser Wirkstoff hemmt die Testosteronproduktion im ganzen Körper. Es kommt nicht mehr zur Testosteronbildung. beide Stoffe werden in Form von Tabletten verabreicht

CHEMOTHERAPIE

Die Chemotherapie wird meist zusammen mit einer Hormontherapie angewendet, da beide Behandlungen durchgeführt werden, wenn der Tumor bereits Metastasen im Körper gebildet hat. Diese Behandlungen wirken nämlich im gesamten Körper. Bei der Chemotherapie werden Medikamente verabreicht, die die Teilung und somit das Wachstum von Krebszellen unterbinden. Diese Medikamente bezeichnet man als Zytostatika.

Palliative Behandlung

Die palliative Behandlung zielt darauf ab, die Symptome und Beschwerden von Prostatakrebs zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Hier sind einige Aspekte der palliativen Behandlung:

  • Schmerztherapie: Die Linderung von Schmerzen ist ein wichtiger Teil der palliativen Behandlung. Dies kann durch die Verwendung von Schmerzmitteln, wie zum Beispiel nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) oder Opioiden, erreicht werden.
  • Hormontherapie: Prostatakrebs ist häufig hormonabhängig, was bedeutet, dass er durch Hormone wie Testosteron stimuliert wird. Die Hormontherapie zielt darauf ab, die Produktion von Testosteron zu hemmen oder die Wirkung von Testosteron auf den Tumor zu blockieren. Dies kann durch Medikamente wie GnRH-Analoga oder Antiandrogene erreicht werden.
  • Chemotherapie: In fortgeschrittenen Stadien von Prostatakrebs kann eine Chemotherapie eingesetzt werden, um das Wachstum der Krebszellen zu hemmen und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Verschiedene Chemotherapeutika können zum Einsatz kommen, abhängig von den individuellen Gegebenheiten des Patienten.
  • Strahlentherapie: Die Strahlentherapie kann auch in der palliativen Behandlung eingesetzt werden, um Symptome wie Schmerzen oder Knochenmetastasen zu lindern. Ziel ist es, den Tumor zu verkleinern oder zu stabilisieren und dadurch eine Verbesserung der Symptome zu erreichen.
  • Supportive Therapien: Neben den oben genannten Behandlungen können auch supportive Therapien wie Ernährungsberatung, psychosoziale Unterstützung und Schmerzbewältigungstechniken Teil der palliativen Behandlung sein. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Wohlbefinden des Patienten zu verbessern und ihn bei der Bewältigung der Erkrankung zu unterstützen.

Es ist wichtig zu beachten, dass die palliative Behandlung darauf abzielt, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern, jedoch nicht darauf, die Erkrankung zu heilen. Die Entscheidung über die geeignete palliative Behandlung sollte in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt getroffen werden, um die individuellen Bedürfnisse und Wünsche des Patienten zu berücksichtigen.

SONSTIGE BEHANDLUNGEN

Neben den bekannten Behandlungsmethoden, wie der Chemotherapie oder einer Operation, gibt es noch weitaus unbekanntere Methoden Prostatakrebs zu behandeln. Diese sind jedoch bisher nur im Rahmen von Studien angewendet worden und benötigen noch weitere Forschungen. Dazu gehören z.B.:

– Kältetherapie

auch „Kryotherapie“ genannt, beschreibt die Vereisung des Tumorgewebes. Sobald der Tumor sich außerhalb der Prostata befindet können die Krebszellen vereist werden und dadurch absterben. Bei einem Tumor der sich lokal eingrenzen lässt wird diese Methode nicht vorgenommen.

– Ultraschalltherapie

Es wird ein HIFU (hochintensiver fokussierter Ultraschall) angewendet, welche durch Ultraschallwellen das Tumorgewebe so stark erhitzen, dass es zerstört wird. Bei einer Ganzdrüsen-Therapie richtet man den Ultraschall auf die gesamte Prostata. Bei einer fokalen Therapie wird nur der Tumor mit Ultraschallwellen beschossen.

– IRE: Irreversible Elektroporation

Dabei geht es um die selektive Zerstörung von Krebszellen durch starke lokale elektrische Felder. Dafür werden starke aber kurze elektrische Impulse durch das Tumorgewebe geschossen, welche das Zellmembran dauerhaft öffnen und somit das Absterben der Zellen verursacht. Obwohl die elektrischen Impulse nur wenige Mikrosekunden dauern, vermitteln sie mehrere tausend Volt ins Gewebe.

– VTP: Vaskuläre Photodynamische Therapie

Es werden Photosensibilisator auf die Haut aufgetragen und mit speziellem Licht bestrahlt. Dabei entwickeln sich mithilfe von Sauerstoff gewebsschädigende Stoffe. Diese Stoffe nennt man auch Zytotoxine. Zytotoxine greifen das Tumorgewebe an.

NACHBEHANDLUNG

Sobald die Behandlungen gegen Prostatakrebs abgeschlossen sind, beginnt die Nachsorge. Diese soll einerseits die Lebensqualität des Patienten nach der anstrengenden Therapie verbessern, aber andererseits auch eine rechtzeitige Reaktion auf einen Rückfall ermöglichen. Es kommt nämlich bei einem Drittel aller Fälle zu einer erneuten Tumorbildung. Dabei unterscheidet man zwischen Tumoren am ursprünglichen Ort oder Tumoren an neuen Körperregionen. Meist wird bei der Nachsorge nur ein PSA-Test gemacht. Doch die Untersuchungen sind regelmäßig um Veränderungen im Blutwert rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen.